Dienstag, 16. Mai 2017

Über die Liebe

Astrid hat sich ein sehr spezielles Thema ausgesucht.
15 Fakten über mich und die Liebe.
Es gibt wohl kaum ein Wort, das so vielfältig interpretiert werden kann.

1. Der erste Gedanke gilt bei diesem Thema dem für mich immer noch kaum fassbaren Glück, seit jetzt 48 Jahren mit der Liebe meines Lebens zusammenzusein, im Sommer 47 Jahre verheiratet.
2. Meine Kinder, jedes gewünscht und mit tief empfundener Liebe begleitet. Und dann diese besondere Liebe zu den Enkelkindern, welch ein Geschenk.
3. Tierliebe, auch sie gehört für mich zum Menschsein dazu. Es ist der Respekt vor der Schöpfung und die Verpflichtung, jedes Geschöpf zu achten. Außerdem beeindruckt mich die bedingungslose Liebe, die Tiere den Menschen entgegenbringen, das durfte und darf ich bei einer meiner Töchter miterleben.
4. Für die häufige Begleiterscheinung der Liebe, nämlich die Eifersucht, bin ich gänzlich unbegabt. Ich habe das in der Familie und im weiteren Umfeld miterlebt. Für mich ist das der Weg zur Selbstzerstörung.
5. Liebe ist für mich auch Respekt vor jeder Form der Liebe, die auf der Zuwendung zum anderen, der Großherzigkeit, dem Wunsch nach dem Miteinander basiert. Wie dieses Miteinander aussieht, sollten die betroffenen Menschen selbst bestimmen dürfen.
6. In meiner Jugend gab es noch das Schimpfwort "Du bist wohl ein 175ger" in Anspielung auf den §175, der bis 1994  Homosexualität unter Strafe stellte. Das ist noch nicht lange her!!!! Das Wort "Toleranz" hat nicht schon von selbst in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Mich macht diese Borniertheit furchtbar wütend.
7. Bei den berühmten Beispielen, die mir einfallen, steht ganz vorne Oscar Wilde, der so unglaublich gelitten hat und dessen Bücher so viel Menschlichkeit spüren lassen. Die Fähigkeit, tiefe Gefühle sprachlich perfekt zu beschreiben, kann ich nur bewundern.


8. Abstoßende Beispiele von "Liebe" habe ich mehrfach beobachten dürfen oder eher müssen. Wenn die sog. Liebe dem anderen die Luft abdrückt und er ohne Konflikt keine eigenen Entscheidungen mehr treffen kann, egal, ob es Partner oder Kind ist, wird Liebe zum Albtraum.
9. Liebe zur Schöpfung ist essentiell. Für mich ist die Liebe zur Natur und der respektvolle Umgang damit ein Kernaspekt des Menschseins.
10. Liebe zur Musik - großartig. Und dabei ist und bleibt für mich Bach der vollkommenste Ausdruck von perfektem Klang, von allumfassender Schönheit. Vor ein paar Jahren durfte ich in London in der Royal Albert Hall ein Konzert mit Bachmotetten unter der Leitung von John Eliot Gardiner hören. Das war klingende Liebe zur Musik.



11. Liebe zur Kunst gehört auf jeden Fall in diese Reihe. In Ruhe ein Kunstwerk betrachten zu dürfen ist für mich eine Form der Meditation, der tiefen Ruhe. Während meiner Studienzeit in Paris bin ich fast täglich im Museum gewesen. Nie wieder habe ich so viel Zeit gehabt, mich mit Kunst zu beschäftigen. Aber wirklich zutiefst ergriffen war ich, als ich vor ein paar Jahren zum erstenmal vor Michelangelos Pieta im Petersdom stand. Ich war überrascht, wie klein sie war und war zutiefst ergriffen von der Innigkeit, die diese zarte Figur ausdrückt. Vollkommenheit von Kunst und Liebe.



12. Die Liebe zum Wort - das Synonym dafür ist für mich William Shakespeare. Er ist für mich der unübertroffene Jongleur des Wortes.

SONNET 116

Let me not to the marriage of true minds
Admit impediments. Love is not love
Which alters when it alteration finds,
Or bends with the remover to remove:
O no; it is an ever-fixed mark, 
That looks on tempests, and is never shaken;
It is the star to every wandering bark,
Whose worth's unknown, although his height be taken.
Love's not Time's fool, though rosy lips and cheeks 
Within his bending sickle's compass come; 
Love alters not with his brief hours and weeks, 
But bears it out even to the edge of doom.
   If this be error and upon me proved,
   I never writ, nor no man ever loved. 

Übersetzungen findet ihr hier.

13. Berühmte Liebespaare gibt es viele. Spontan fallen mir Simone de Beauvoir und Jean Paul Sartre ein, Martin Luther King und seine Frau Coretta, Arthur Rubinstein und seine Frau Wanda.
14. Liebesbriefe sind etwas sehr, sehr Persönliches und ich habe mich immer schon schwer damit getan, dass die Liebesbriefe berühmter Persönlichkeiten nach ihrem Tod als literarische Dokumente veröffentlicht werden. Ich halte das für falsch. Die Literaturforschung könnte auch ohne solche Präsentation weiterleben.
15. Berühmte Liebespaare der Literatur sind fast alle tragische Beziehungen: Romeo und Julia, Effie Briest, Anna Karenina, Luise Millerin (Kabale und Liebe) usw. Sie alle sind Ausdruck von Ausgrenzung, von Enge, Überheblichkeit, Neid und Missgunst.
Was ist das Fazit? Das Positive und Negative liegt ganz nah beieinander. Es zeigt, wie fragil dieses große Gefühl der Menschen ist. Aber was wäre die Welt ohne die Liebe?

Freudvoll
Und leidvoll,
Gedankenvoll sein,
Langen
Und bangen
In schwebender Pein;
Himmelhoch jauchzend,
Zum Tode betrübt –
Glücklich allein
Ist die Seele, die liebt.
Johann Wolfgang von Goethe

So, jetzt habe ich hier eine ganze Menge erzählt - mit blumigen Grüßen an Astrid.


verlinkt zu Traude und ihrem ANL-Projekt.

Kommentare:

  1. Die dir von ganzem Herzen dankt für den Mut, den es wohl braucht, um über dieses großartige Thema zu schreiben!
    Astrid

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  2. Danke für so viel über die Bedeutung der Liebe für dich und deine Einstellung ist so gut bleib so wie du bist! Du bist eine grossartige Frau!
    Lieben Gruss Elke

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    1. Liebe Elke, danke für Deine netten Worte und ich schicke die netten Grüße gerne zurück.
      LG
      Magdalena

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  3. Liebe Magdalena

    Vielen Dank für deinen lieben Post.

    Ein lieblicher schöner Tag wünscht dir Bea

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  4. Liebe Magdalena,

    was für ein schöner Post über die Liebe. Ich habe auch das Glück, nach 46 Ehejahren immer noch mit den gleichen Mann zusammen sein zu dürfen. In der heutigen Zeit ist das nicht selbstverständlich.

    Hab einen schönen Tag
    LG Paula

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    1. Da hast Du wohl recht und ich betrachte dieses lange Zusammenleben als großen Glücksfall. Also, jeden Tag genießen, nicht wahr?
      Magdalena

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  5. Was für ein wunderschöner Post liebe Magdalena!
    Gerne habe ich hier und heute Deine Gedanken zur Liebe gelesen. Bei dem 175iger musste ich an meine Mutter denken, kurz nachdem sie aus Finnland nach Deutschland gekommen ist wurde sie damit auch konfrontiert. Sie konnte damit überhaupt nichts anfangen und wusste auch gar nicht, warum das hier so ein Problem sein sollte.
    In ihrer Heimat waren die Leute schon immer toleranter und sie fand das ganz fürchterlich dieses "Schimpfwort".
    Ja Du hast Recht so lange ist das noch gar nicht her und wenn ich dann lese das es bereits wieder Länder gibt die Homosexualität mit allem drum und dran unter Strafe stellen frage ich mich in welchen Zeiten wir leben.
    Liebe Grüße
    Kirsi

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    1. Liebe Kirsi, ich kann diese Einstellung zu Homosexuellen auch nicht verstehen. Da werden Menschen angefeindet, die einfach nur ihr eigenes Leben leben wollen, die auch niemanden missionieren wollen. Im Grunde betrifft es also niemanden außer denen, die auch so leben wollen. Da bleibt nur noch Kopf schütteln.
      LG
      Magdalena

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  6. Liebe Magdalena,
    Dein wundervoller Post über die Facetten der Liebe hat mich sehr berührt und ich danke Dir herzlich dafür...
    was wären wir ohne Liebe...

    Liebe Grüße zu Dir und einen schönen Tag wünscht Dir Traudi

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  7. Hallo Magdalena,
    ein sehr umfangreicher Beitrag zum Thema Liebe und ich gehe in Vielem mit.
    Allerdings lese ich schon gern den Gedankenaustausch zwischen zwei Liebenden in der Literatur, sei als Prosa oder als Roman. Es ist etwas ganz Besonderes und natürlich auch Intimes und dennoch schätze ich diese Texte sehr.
    Viele Grüße, Synnöve

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    1. Liebe Synnöve, ich weiß, dass viele diese Briefe gerne lesen und oft sind sie ja auch von besonderer Tiefe. Ich will da auch niemanden angreifen. Nur ich tue mich schwer damit. Auf jeden Fall danke ich Dir für Deine netten Grüße.
      Magdalena

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  8. Liebe Magdalena, ich glaube, wir haben einen ähnlichen Zugang zur Liebe, jedenfalls habe ich mich und meine Gedanken / Gefühle dazu hier häufig wiedererkannt. Nur eine so lange Liebesbeziehung zu meinem Mann kann ich nicht in die Waagschale (oder wohin auch immer ;-)) legen, was nicht nur eine Frage meines Alters (55) ist sondern auch mit meiner früheren Bindungsunlust (und der manchen Mannes meiner Generation), Experimentierfreude etc. zu tun hat ;-)

    Schön hast du über das Thema geschrieben. Und weil Liebe in seinen zahlreichen Facetten ein Thema ist, das die Welt besser macht und Liebe zur Schöpfung die beschützenswerte Natur betrifft, finde ich, dass dein Post sehr gut zum Themenbereich passt, der mit ANL zu tun hat. Also würde ich mich sehr freuen, wenn du deinen Beitrag dort verlinkst. Magst du?

    Herzliche Rostrosengrüße, Traude

    http://rostrose.blogspot.co.at/2017/05/anl-17-wasche-farben-und-stiefel-bemalen.html

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    1. Liebe Traude, das mache ich gerne. Schön, wenn Du mir in vielem folgen kannst. Die Unterschiede sind ja auch ganz wichtig. Sonst wäre das ja alles furchtbar langweilig.
      Ganz liebe Grüße
      Magdalena

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  9. Liebe Magdalena,
    ich habe alle Punkte genau durchgelesen und mir meine Gedanken darüber
    gemacht. Ich gehe in vielen Punkten konform mit dir. Die Liebe zu meinem
    Mann, der schon 11 Jahre verstorben ist, bleibt immer ein fester Bestandteil.
    Einen angenehmen Abend wünscht dir
    Irmi

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  10. Liebe Magdalena,
    deinen Post habe ich sehr gerne gelesen. Ich finde es toll, wie facettenreich dieses Thema ist und wie vielfältig man darüber sprechen kann.
    Mit deinen Gedanken über Liebesbriefe hast du gar nicht so unrecht. So schön sich manches davon sicherlich lesen lässt - ich fände es seltsam, in privaten Briefen und Gedanken zu stöbern, die niemals zur Veröffentichung gedacht waren. (Aber ich persönlich finde es ja schon respektlos, dass Kafkas Werke posthum veröffentlicht wurden. Und das nicht, weil man mich deswegen in der Oberstufe damit traktieren konnte, sondern weil das ein Verstoß gegen seinen ausdrücklichen Wunsch war.)

    Liebe Grüße,
    Sabrina

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